"Bloß weg!"

Ihr zweites Standbein im Ausland
  

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aus "Bloß weg!", S. 118f,
von Günter Hannich:

Anders als man vielleicht zunächst vermuten würde, kommen die Hauptgefahren nicht von den Einheimischen, sondern von den eigenen Landsleuten, welche bereits in Paraguay leben. Ein Sprichwort dort sagt: „Der Paraguayer nimmt dem Einwanderer etwas, der Deutsche gleich alles." Hier wird schon deutlich, daß man vor allzu schnell gefundenen deutschen „Freunden" etwas auf der Hut sein sollte. Manche von ihnen sind vor vielen Jahren in das Land gekommen und haben selbst alles verloren oder mußten kurzfristig vor der deutschen Justiz flüchten und haben nun einen großen Kapitalbedarf. Nichts liegt da näher, als den neuen Einwanderer, der in der Regel weder die Sprache noch die Mentalität dort kennt, etwas auszunehmen. Da sind bisweilen im Land die abenteuerlichsten Erzählungen von Auswanderern zu hören. Einer beispielsweise kam ohne Sprachkenntnisse ins Land und freute sich, einen netten Landsmann als Freund gefunden zu haben. Dieser bot sich auch gleich an, das von Deutschland zu erwartende Geld auf seinem Konto entgegenzunehmen (da der Einwanderer ja noch nicht über dergleichen verfügte). Wie man sich denken kann, war weder von dem Geld noch von dem netten „Freund" je wieder etwas zu sehen. Generell ist zu hören, dass immer der eigene Landsmann für den Einwanderer gefährlich ist, also für den Franzosen der Franzose; für den Deutschen der Deutsche; für den Schweizer der Schweizer usw.
Doch Vorsicht ist auch schon beim Grundstückskauf geboten. Leider existieren in Paraguay, anders als in Deutschland, keine ausschließlichen öffentlichen Grundbücher - es herrscht spanisches Recht. Vielmehr existieren neben dem öffentlichen Grundbuchamt noch zahllose private Notare, welche ebenfalls Besitzurkunden archivieren. Das hat den Nachteil, daß beim Kauf von Grund und Boden Betrug viel leichter möglich ist als bei uns. Da unterschreibt der Käufer unter Umständen ein Papier im Grundbuch beim Notar, das nach dem Kauf gegen ein anderes ausgetauscht wird, so daß er letztlich kein Eigentum besitzt. Notar, Verkäufer und Rechtsanwalt sitzen da möglicherweise in einem Boot und teilen sich den Gewinn aus dem Betrug am Ende.
Auch wird oft versucht, Leute mit überhöhten Preisen über den Tisch zu ziehen oder ihnen wertloses Land zu verkaufen. Da wurde beispielsweise einmal ein Einwanderer von einer deutschen Maklerfirma hereingelegt: Der Käufer wollte ein Grundstück in Paraguay kaufen mit der Bedingung, daß es darauf Grundwasser gebe. Nun zeigte ihm der Makler eine Fläche, auf der tatsächlich auch eine Handpumpe installiert war. Mit Freude pumpte der potentielle Käufer einen Eimer nach dem anderen bestes Wasser aus dem Boden und stimmte deshalb auch sogleich dem Kaufvertrag zu. Was er nicht wußte war, daß der Makler vorher ein 200-Liter-Faß mit Wasser hatte eingraben lassen, aus dem nun der Käufer munter sein Wasser pumpte.
Ein anderer Betrug ging so vonstatten, daß Käufer in Deutschland auf der Landkarte sich für ein Grundstück entschieden und sogleich kauften. Als sie später ihren Besitz in Augenschein nehmen wollten, fuhr der Makler mit ihnen bei Mittagshitze hinaus und stach später heimlich seinen Autoreifen auf. Er erklärte nun, daß sie leider nicht weiterfahren könnten und er auch das Trinkwasser vergessen habe. Zum Glück aber habe er noch ein paar Flaschen billigen Wein dabei - den die Käufer bei der Hitze auch begierig tranken. Nach dem Rausch und den Kopfschmerzen durch den Fuselwein wollte dann niemand mehr die nächsten Tage das Grundstück besichtigen. Dieses gab es auch gar nicht - es wurde Grund und Boden verkauft, welcher gar nicht zu verkaufen war.
Einem anderen Einwanderer passierte es, daß sein erworbenes Grundstück zur gleichen Zeit vom gleichen Verkäufer auch an einen anderen verkauft wurde. Es brauchte jahrelange teure Prozesse, bis das Eigentumsrecht geklärt war.
  

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