Mennoniten in Paraguay
  


Karte entnommen aus "TAP".

Es gibt heute etwa 28.000 Mennoniten in Paraguay, die sich auf etwa zwanzig Kolonien einschließlich Asunción verteilen.Die drei bekanntesten befinden sich im Chaco, der "Grünen Hölle", siehe nebenstehende Karten.

Die Glaubensrichtung der Mennoniten entstand im 16. Jahrhundert und benennt sich nach ihrem Gründer Menno Simons (geb. 1496 in Witmarsum/Friesland). Sie lehnen die Kindertaufe ab, ebenso die Ehescheidung, sie leisten keinen Eid und verweigern auch den Wehrdienst, sie fordern eine strikte Trennung von Kirche und Staat. Ihre Kirchen sind jeweils selbstständige und mitbestimmende Körperschaften. Es gibt keine zentrale Autorität für alle Mennoniten. Mennonit zu sein, bedeutet Christ zu sein und Angehöriger einer Kirche, deren Glaubensgrundsätze auf der Bibel basieren (Anm.: welcher Bibel?). Sie versuchen ihr Leben in der Nachfolge Christi ganz nach der Bergpredigt auszurichten (Bibel, Neues Testament, Matthäus 5,1-7,29 und Lukas 6,20 - 49). In Ihrem Bücherschrank steht keine Bibel? Macht nichts, hier können Sie die Bergpredigt (33 kB, RTF) runterladen.

Die sowohl von den katholischen als auch evangelischen Landesherren verfolgten Mennoniten fanden bald Zuflucht in den Niederlanden und in Westpreußen, nach dem Ersten Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) in Baden, im Elsaß, in der Kurpfalz und in Mähren. Im 18. Jahrhundert wanderten die Mennoniten nach Rußland aus, um die Sumpfgebiete im Weichseldelta urbar zu machen. Um dem russischen Wehrdienst zu entgehen, verließ ein großer Teil das Land, um in den USA und Kanada nach ihren Glaubensgrundsätzen leben zu können.

Nach Paraguay kamen die ersten Mennoniten 1927. Die aus Kanada (der Staat drängte darauf, ihre Kinder in staatlichen Schulen unterrichten zu lassen) eingewanderten Menschen gründeten die Chaco-Kolonie "Menno". Unter größten Opfern, Entbehrungen und Not verwandelten die fleißigen Kolonisten die "Grüne Hölle" des Chaco in Weide- und Ackerland. Sie schufen ein gut funktionierendes Gemeinwesen.

Nahezu alle Mennoniten sprechen untereinander einer dem friesischen Dialekt verwandte Sprache: das Platt ist allerdings mit vielen Wörtern und Redewendungen aus ihren ehemaligen Siedlungsgebieten stark durchmischt und auch von Platt Sprechenden kaum zu verstehen.

Trotz der Gefahr einer Verallgemeinerung kann man die Mennoniten Paraguays in drei Gruppen einordnen:
Die erste Gruppe bilden die Mennoniten im Chaco, wie die Kolonien Menno (mit Loma Plata als Zentrum), Fernheim (Filadelfia) und Neuland (Neu-Halbstadt), dann die Mennoniten in Ost-Paraguay (die Kolonien Friesland, Volendam und Tres Palmas) und schließlich die in Asunción lebenden und arbeitenden Menschen. Dieser Personenkreis zählt etwa 17.000 Menschen und hat sich in die paraguayische Gesellschaft integriert. Die Gesamtverwaltung hat ihren Sitz in Asunción.
Zur zweiten Gruppe zählen die Menschen der Kolonien Sommerfeld, Bergthal, Reinfeld, Rio Verde, Santa Clara, Durango und Manitoba mit etwa 12.000 Personen, die aus Kanada und Mexico eingewandert sind. Die als konservativ geltende Gemeinde ist bemüht, an den Traditionen ihrer Vorfahren festzuhalten und erlauben von daher keine religiösen oder kulturellen Reformen.
Die dritte Gruppe setzt sich zusammen aus den Kolonien Luz y Esperanza, Agua Azul, Rio Corrientes und La Montana. Diese kleine, relativ unbekannte und englischsprechende Gruppe der Mennoniten kam aus Nordamerika. In den Kolonien wird großer Wert darauf gelegt, die spanische Sprache zu erlernen. Trotz ihrer Weltoffenheit halten sie an ihrem Glauben fest und leben ihn ehrlich und aufrichtig.
  

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