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Der Faucher
Der Boykott der Deutschen
Sprache nach dem Ersten Weltkrieg
Millionen für englischen
"Slogan"
George Orwell's "Neusprech"
Achtung, Sprachpolizei!
Fünf Schritte zur
erfolgreichen Abschaffung der Rechtschreibung
Der Faucher
Reisen bildet bekanntlich. Wer etwa mit der Deutschen Bahn
AG auf Tour geht, der kann seine Englischkenntnisse auf internationales
Niveau schrauben. Schon auf dem Bahnsteig. Dort werben nämlich
bundesweit seit einiger Zeit grellrote Plakate für "W-Lan
auf dem Bahnsteig". Wahrscheinlich, um sich die Wartezeiten
auf verspätete Züge angenehmer zu verteiben, kann der
erwartungsfrohe Bahnreisende jetzt direkt vom Bahnsteig ins weltweite
Netz auf und davon surfen. Toll. Aber halt. Natürlich, so
ist es auf dem Plakat zu lesen, bedarf es dazu eines vouchers.
Was immer das ist, es ist irgendwo unten in den Katakomben des
Bahnhofs am service-point erhältlich.
Irritiert suche ich erst einmal Hilfe beim Bahnsteigpersonal.
Das wird bestimmt nicht mehr so bezeichnet, aber der zeitgemäße
Terminus fällt mir gerade nicht ein. Die in ihrem schicken
Dienst-Outfit absolut ICE-taugliche Dame, bei der einem
das Wort "Schaffnerin" nicht einmal entfernt in den
Sinn kommt, lächelt freundlich. "Oh ja, das",
meint sie und strahlt mich an, "das kriegen Sie am service-point."
Sagt's und entschwindet mit atemberaubendem Hüftschwung.
Nach reichlich Sucherei taucht endlich der gelbleuchtende Hinweis
service-point vor mir auf. Eine nicht minder gut aussehende
Dame erkundigt sich dort nach meinen Wünschen. "Was
kann ich für Sie tun?"
"Ah ja, Sie brauchen unseren Faucher", haucht sie weltoffen
und voller Sprachgewandtheit. "Angelika, wo ham wa denn
die Faucher?" Die Angesprochene zuckt nur kurz zusammen
und nickt wortlos in Richtung eines Regals. Ich bekomme ein Zettelchen
im Scheckkartenformat ausgehändigt, zahle einen Obolus und
entschwinde wieder in Richtung Bahnsteig. Gerade als ich lossurfen
will, kommt mein Zug. Diesmal pünktlich. Ehe mich die Spannung
völlig übermannt, schlage ich nach Einnahme meines
Sitzplatzes per Laptop sofort nach. "Voucher", lese
ich da, englisch, sprich wautscha, na also, Eintrittskarte, Gutschein,
aha, auch Essenmarke, Berechtigungsausweis (zum Beispiel für
einen hot-spot). Wobei mit letzterem sicher nicht die
Dame am counter des service-points im basement
gemeint ist. Na bitte, sag ich doch, Reisen bildet.
Christoph Huppert
(Text und nachfolgendes Bild entnommen aus "Sprachnachrichten",
März 2008, Seite 8.)

Textbeginn
Deutsch als Wissenschaftssprache
Der Boykott der Deutschen
Sprache nach dem Ersten Weltkrieg
- eine Buchbesprechung
Über die Ursachen des Ersten Weltkrieges ist viel geschrieben
worden. Zu einem besonderen, bisher kaum beachteten Punkt, dem
alliierten Boykott des Deutschen als Wissenschaftssprache, ist
jedoch erstmals mehr als 90 Jahre nach dem damaligen Geschehen
von Roswitha REINBOTHE eine ausführliche Monographie erschienen,
1) die ganz neue Erkenntnisse vermittelt und deswegen einer Richtigstellung
gleichkommt.
Die Sprachwissenschaftlerin geht in dieser Habilitationsschrift
der Universität Duisburg-Essen aus dem Jahre 2006 zunächst
der großen Bedeutung des Deutschen als Wissenschaftssprache
im 19. Jahrhundert nach und zeigt deren führenden Stellenwert
für die Zeit vor dem Ersten Weltkrieg auf. Insbesondere
weist sie auf die Menge der wissenschaftlichen Zeitschriften
in Deutscher Sprache, die Zahl und das Ansehen der Deutschen
Akademien und die zahlreichen internationalen Vereinigungen mit
Sitz im Deutschen Reich hin. Viele Ausländer veröffentlichten
damals in Deutschen Zeitschriften in Deutscher Sprache. Vor allem
für die Astronomie, die Erdmessung, Seismologie, Geographie
und Chemie wird die führende Deutsche Stellung materialreich
belegt. Auf internationalen Tagungen und in überstaatlichen
Wissenschaftsvereinigungen galten Französisch, Englisch
und Deutsch als die drei gängigen und gleichberechtigten
Wissenschaftssprachen.
Doch schon vor dem Ersten Weltkrieg traten in Frankreich und
England einflußreiche Stimmen auf, die die Deutsche Sprachvorherrschaft
in einigen Fachbereichen kritisierten, auf die politischen Folgen
derselben hinwiesen und eine Beschränkung des Deutschen
im Wissenschaftsbereich forderten.
Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges gewannen diese Bestrebungen
an Einfluß, insbesondere, als viele Deutsche Wissenschaftler
sich hinter die Politik der Reichsregierung stellten, etwa in
dem Aufruf An die Kulturwelt" von 93 Forschern, der
am 4. Oktober 1914 in Deutschen Zeitungen veröffentlicht
wurde. 2) So gab der britische Chemienobelpreisträger (1904)
William RAMSEY 3) kurz darauf eine Gegenerklärung ab. Nach
seiner Ansicht gehe es um einen Krieg der Humanität
gegen Inhumanität ... des Rechtes gegen Unrecht" (of
right against wrong") die - von der britischen Kriegspropaganda
erfundenen, wie sich später herausstellte - Greueltaten
der Deutschen in Belgien und Frankreich seien ein Rückfall
Deutschlands in die Barbarei (relapsing into barbarism").
Deren Ursache sei der autoritäre, teutonische Charakter"
und das Weltmachtstreben der Deutschen. Ihr Ideal ... ist,
die Weltvorherrschaft für ihre Rasse zu sichern ..."
Deutschland über alles in der Welt", deswegen
der Krieg". Unter dem Leitwort niemals wieder"
müßten die Alliierten alles tun, um diesen gefährlichen
Deutschen Despotismus, der wie ein Krebsgeschwür sich in
die Moral der Deutschen Nation eingefressen habe, ein für
allemal zu vernichten. 4)
Knapp ein Jahr später forderte er den Ausschluß der
Deutschen Wissenschaftler von internationalen Tagungen: Internationale
Versammlungen zu wissenschaftlichen Zwecken werden ganz sicher
auch künftig stattfinden, aber nur unter der Bedingung,
daß Deutsche und österreichische Vertreter ausgeschlossen
werden." 5)
Und so kam es dann auch. Franzosen und Engländer setzten
sich, teilweise gegen den Widerspruch aus neutralen Ländern,
durch: Nach dem Ersten Weltkrieg verhängten die alliierten
Akademien der Wissenschaften gegen Deutschland und die mit ihm
verbündeten Länder einen Wissenschaftsboykott. Eng
verknüpft damit war ein Boykott gegen Deutsch als internationale
Wissenschaftssprache. Aus internationalen Wissenschaftsverbänden
wurden die Deutschen und österreichischen Wissenschaftler
und mit ihnen die Deutsche Sprache ausgeschlossen. Die Folge
davon war ein Statusverlust und Rückgang des Deutschen als
internationale Wissenschaftssprache." 6)
Schon während des Krieges hatten einige Akademien und wissenschaftliche
Gesellschaften den Ausschluß ihrer Deutschen Mitglieder
beschlossen. 7) 1917 forderte der französische Mathematiker
und Sekretär der Académie des Sciences in Paris,
Emile PICARD, die Auflösung der alten internationalen Vereinigungen
und die Gründung neuer ohne Deutsche Beteiligung. 8)
Schon während des Krieges wurden dazu die ersten Schritte
unternommen, die zu einer interalliierten Konferenz der Akademien
der Wissenschaften vom 9. bis 11. Oktober 1918 in London sowie
vom 26. bis 29. November 1918 in Paris führten. Diese beschlossen
insbesondere den Aufbau neuer internationaler Fachunionen der
Astronomie, Geophysik und Chemie - früher Deutsche Domänen
-, bei denen die Deutschen nun ausgeschlossen waren. Die Gründung
dieser Fachunionen und des Internationalen Forschungsrates (Conseil
international de recherches") fand auf der alliierten Wissenschaftskonferenz
vom 18. bis 28. Juli 1919 in Brüssel statt, zu der nicht
einmal neutrale Staaten eingeladen waren. die Statuten des forschungsrats,
die den Ausschluß der Deutschen und mit diesen verbündet
gewesener Staaten vorsahen, sollten mindesten bis Ende 1931 reichen.
9) als amtliche Sprachen waren französisch und englisch
vorgesehen, Deutsch war verboten.
Dazu eine kam eine Ächtung der deutschsprachigen Fachpublikationen".
10) In den USA wurden sogar Deutsche Fachbücher verbrannt.
Die angesehene Fachzeitschrift Science stellte am 20. Dezember
1918 fest: In Buße verbrennen wir nun unsere Deutschen
Bücher und vermeiden eifrig, irgend etwas in dieser Sprache
zu lesen. Wir sind überrascht zu bemerken, wie gut wir ohne
irgend etwas in dieser Sprache auskommen können und für
wie wenig wir in Wirklichkeit dieser Sprache verpflichtet sind."
An den 14 internationalen (wissenschaftlichen) Kongressen
des Jahres 1919 nahmen überhaupt keine Deutschen Wissenschaftler
teil." 11) Noch 1925 wurden auf 34 von 52 internationalen
wissenschaftlichen Tagungen der Alliierten die Deutschen ausgeschlossen.
Bis 1926 waren Deutsche Teilnehmer selbst von den internationalen
Tuberkulosekonferenzen verbannt. Erst ab 1927 konnten sich gemäßigtere
Stimmen in den alliierten Ländern durchsetzen, und der Boykott
wurde langsam aufgegeben.
Das Ergebnis dieser Entwicklung war ein wesentlicher Rückgang
der Bedeutung des Deutschen als Wissenschaftssprache, Englisch
und Französisch gaben in Zukunft den Ton an, auch in den
vor dem Ersten Weltkrieg von Deutschen angeführten Fachbereichen.
Während noch 1915 in den USA 24,4 Prozent der Schüler
an den öffentlichen High-Schools Deutsch lernten, waren
es 1922 nur noch 0,7 Prozent. 12)
Abschließend stellt REINBOTHE fest: Mit Deutschlands
Niederlage im Ersten Weltkrieg, dem Vertrag von Versailles, der
Errichtung des Völkerbunds und zentraler internationaler
Wissenschaftsorganisationen hatten sich die Machtverhältnisse
grundlegend verschoben. Das spiegelt sich im internationalen
Status der Sprachen wider: Französisch und Englisch waren
die Sprachen des Versailler Vertrags, des Völkerbunds und
der von den Alliierten neu gegründeten internationalen Wissenschaftsverbände.
Deutsch verlor seine vormals privilegierte Stellung als dritte
offizielle Spreche im internationalen Wissenschaftsbetrieb."
13)
Der Zweite Weltkrieg mit der Zerschlagung des Deutschen Reiches
setzte diese Entwicklung fort.
- R. K. -
1) Roswitha REINBOHE, Deutsch als internationale Wissenschaftssprache
und der Boykott nach dem Ersten Weltkrieg, Peter Lang, Frankfurt
2006.
2) In Auszügen zitiert ebenda, S. 97. Die Verfasserin geht
von der Kriegsschuld Deutschlands am lasten Weltkrieg aus - der
einzige größere Nachteil des Buches.
3) William RAMSAY, Germanys Aims and Ambitions"
(Deutschlands Ziele und Bestrebungen), in: Nature, 8.10.1914.
4) REINBOTHE, aaO. (Anm. 1), S. 101.
5) Zitiert ebenda, S. 102, aus: Süddeutsche Monatshefte,
August 1915, S. 829.
6) Ebenda, S. 11.
7) Ebenda, S. 107.
8) Ebenda, S. 129.
9) REINBOTHE, aaO. (Anm. 1), ebenda, S. 143.
10) Ebenda, S. 176.
11) Ebenda, S. 194.
12) Ebenda, S. 204.
13) Ebenda, S. 445.
(Anmerkung: Wenn Sie sich jetzt die Ausgrenzung der Deutschen
Sprache in der EU - und in den deutschprachigen Ländern
- vor Augen halten, dann wissen Sie, warum!)
Textbeginn
Millionen für
englischen "Slogan"
Die schwarz-gelbe Landesregierung in Düsseldorf will bis
zum Frühjar einen "Slogan" für Nordrhein-Westfalen
finden und dafür rund zehn Millionen TEURO ausgeben. "Anfang
2008 soll die Ausschreibung stehen, bis zum Frühjar der
Slogan", sagte Wirtschaftsministerin Christa Thoben (CDU).
Mit dem "Slogan" soll sich das ganze Bundesland identifizieren
können. Gesucht werde möglichst ein Begriff in englischer
Sprache; ein Vorschlag sei "Europe's creative hartbeat"
(Europas kreativer Herzschlag). Der Millionenbetrag wurde gestreckt
über einen Zeitraum von drei Jahren ausgegeben. Anscheinend
gibt es im heutigen Deutschland nichts mehr, was es nicht gibt!
Dornseiff: Sprache wohin? - Bemerkungen eines Sprachteilnehmers
.entnommen aus "National-Zeitung", 4. Januar 2008,
Seite 10
Textbeginn
George Orwell's
"Neusprech"
1949 prägte George Orwell in seinem Klassiker "1984"
die Begriffe "Newspeak" (= Neusprache, Neusprech) und
Doublethink (= Zwiedenken, Doppeldenken, Doppelzüngigkeit,
die Indianer sagten dazu "mit gespaltener Zunge reden")
- die herrschende Partei hat immer Recht, deshalb muß neu
gedacht und neu gesprochen werden: Krieg ist Frieden, Lüge
ist Wahrheit, Freiheit ist Sklaverei, Unwissenheit ist Macht.
Neusprache oder Neusprech und Zwiedenken oder Doppeldenk werden
von der Gedankenpolizei und dem Wahrheitsministerium, Big Brother,
überwacht. Auf höhere Anordnung müssen frühere
Zeitungsausgaben u.a. umgeschrieben werden. Orwells Fazit: Ändert
die Begriffe, und ihr ändert das Bewußtsein.
Und nun zu Orwell's "Neusprech", ausgeführt in
dessen "Zukunfts"roman "1984":
"Kleine Grammatik
Die Neusprache war die in Ozeanien eingeführte Amtssprache
und zur Deckung der ideologischen Bedürfnisse des Engsoz
erfunden worden. Sie hatte nicht nur den Zweck, ein Ausdrucksmittel
für die Weltanschuung und seine geistige Haltung zu sein,
die den Anhängern des Engsoz allein angemessen war,
sonder darüber hinaus jede Art anderen Denkens auszuschalten.
Wenn die Neusprache ein für allemal angenommen und die Altsprache
vergessen worden war - etwa im Jahr 2050 -, sollte sich ein unorthodoxer
- d.h. ein von den Grundsätzen des Engsoz abweichender
Gedanke - buchstäblich nicht mehr denken lassen, wenigstens
insoweit Denken eine Funktion der Sprache ist. Der Wortschatz
der Neusprache war so konstruiert, daß jede Mitteilung,
die ein Parteimitglied berechtigterweise machen wollte, eine
genaue und oft differenzierte Form verliehen werden konnte, während
alle anderen Inhalte ausgeschlossen wurden, ebenso wie die Möglichkeit,
etwa auf indirekte Weise das Gewünschte auszudrücken.
Das wurde teils durch die Erfindung, hauptsächlich aber
durch die Ausmerzung unerwünschter Wörter erreicht
und indem man die übriggebliebenen Wörter so weitgehend
wie möglich jeder unorthodoxen Nebenbedeutung entkleidete.
Ein Beispiel hierfür: Das Wort frei gab es zwar in
der Neusprache noch, aber es konnte nur in Sätzen wie "Dieser
Hund ist frei von Flöhen", oder "Dieses
Feld ist frei von Unkraut" angewandt werden. In seinem
alten Sinn von "politisch frei" oder "geistig
frei" konnte es nicht gebraucht werden, da es diese politische
oder geistige Freiheit nicht einmal mehr als Begriff gab und
infolgedessen auch keine Bezeichnung dafür vorhanden war.
Die Neusprache war auf der vorhandenen Sprache aufgebaut, obwohl
viele Neusprachansätze, auch ohne neu erfundene Wörter
zu enthalten, für einen Menschen des Jahres 1949 kaum verständlich
gewesen wäre. Der Wortschatz war in drei deutlich angegrenzte
Klassen eingeteilt, die im folgenden gesondert behandelt werden.
Für die rein grammatikalischen Besonderheiten gilt jedoch
das unter Wortschatz A Gesagte für alle drei Kategorien.
Der Wortschatz A bestand aus den für das tägliche
Leben benötigten Wörtern - für Dinge wie Essen,
Trinken, Arbeiten, Anziehen, Treppensteigen, Eisenbahnfahren,
Kochen u. dgl. Er war fast völlig aus bereits vorhandenen
Wörtern zusammengesetzt, wie schlagen, laufen, Hund,
Baum, Zucker, Haus, Feld - aber mit dem heutigen Wortschatz
verglichen, war ihre Zahl äußerst klein und ihre Bedeutung
viel strenger umrissen. Sie waren von jedem Doppelsinn und jeder
Bedeutungsschattierung gereinigt. Es wäre ganz unmöglich
gewesen, sich des Wortschatzes A etwa zu literarischen Zwecken
oder zu einer politischen oder philosophischen Diskussion zu
bedienen. Er war dazu bestimmt, einfache, zweckbestimmende Gedanken
auszudrücken, bei denen es sich gewöhnlich um konkrete
Dinge oder physische Vorgänge handelte.
Ein Merkmal der Neusprach-Grammatik war die vollständige
Austauschbarkeit unter den verschiedenen syntaktischen Bestandteilen.
Jedes Wort konnte sowohl als Zeit-, Haupt-, Eigenschafts- oder
Umstandswort verwendet werden. Zeit- und Hauptwort hatten dieselbe
Form, wenn sie die gleiche Wurzel hatten, ja selbst wo kein etymologischer
Zusammenhang vorhanden war. Es gab zum Beispiel kein Wort für
schneiden, da seine Bedeutung schon hinreichend durch
das Hauptwort Messer gedeckt war. Eigenschaftswörter
wurden gebildet, indem man dem Hauptwort die Nachsilbe -voll,
Umstandswörter, indem man ihnen -weise anhängte.
Jedes Wort konnte durch Voranstellung von un- in sein
Gegenteil umgewandelt oder durch die Voranstellung von plus-
oder doppelplus- gesteigert werden. So bedeutete beispielsweise
unkalt "warm", während pluskalt
oder doppelpluskalt "sehr kalt" oder "überaus
kalt" bedeuteten. Auch war es möglich, die Bedeutung
fast jeden Wortes durch die Voranstellung von vor-, nach-,
ober-, unter- usw. abzuwandeln. Diese Methode ermöglichte
es, den Wortschatz ganz gewaltig zu vermindern.
Das zweite hervorstechende Merkmal der Neusprach-Grammatik war
ihre Regelmäßigkeit. Abgesehen von einigen nachfolgend
erwähnten Ausnahmen folgten alle Beugungen derselben Regel.
Bei allen Zeitwörtern waren das Imperfektum und das Partizip
der Vergangenheit identisch und endeten auf -te. Das Imperfektum
stehlen war stehlte, von denken denkte usw., während
alle Formen wie dachte, schwamm, brachte,
sprach, nahm abgeschaffen waren.
Die einzigen Wortarten, die weiterhin unregelmäßig
gebeugt werden durften, waren die Fürwörter und die
Hilfszeitwörter. Ein Wort, das schwer auszusprechen oder
leicht mißzuverstehen war, galt eo ipso als etwas
Schlechtes: deshalb wurden gelegentlich um des Wohlklangs willen
Buchstaben in ein Wort eingeschoben oder veraltete Formen beibehalten.
Aber diese Notwendigkeit machte sich vor allem im Zusammenhang
mit Wortschatz B bemerkbar.
Der Wortschatz B bestand aus Wörtern, die absichtlich
zu politischen Zwecken gebildet worden waren, d.h. die nicht
nur in jedem Fall auf einen politischen Sinn abzielten, sondern
dazu bestimmt waren, den Benutzer in die gewünschte Geisterverfassung
zu versetzen. Ohne ein eingehendes Vertrautsein mit den Prinzipien
des Engsoz war es schwierig, diese Wörter richtig
zu gebrauchen. In manchen Fällen konnte man sie in die Altsprache
oder sogar in Wörter aus dem Wortschatz A übersetzen,
aber dazu war gewöhnlich eine lange Umschreibung notwendig,
und unweigerlich gingen dabei gewisse Schattierungen verloren.
Die B-Wörter waren eine Art Stenographie, mit der man oft
eine ganze Gedankenreihe in ein paar Silben zusammenfassen konnte.
Ihre Formulierungen waren zugleich genauer und zwingender als
die gewöhnliche Sprache.
Die B-Wörter waren immer zusammengesetzt. Sie bestanden
aus zwei oder mehr Wörtern oder Wortteilen, die zu einer
leicht aussprechbaren Form zusammengezogen waren. Die erzielte
Verschmelzung war zunächst immer ein Hauptwort, von dem
dann in der üblichen Weise weitere Wörter abgeleitet
wurden. Beispiel: Das Wort Gutdenk bedeutete gemeinhin
"orthodoxe Haltung, Strenggläubigkeit", als Zeitwort
"in orthodoxer Weise denken" (Vergangenheit gutdenkte);
als Eigenschaftswort gutdenkvoll; als Umstandswort gutdenkweise;
als Hauptwort Gutdenker.
Der Stamm der B-Wörter konnte Bestandteilen jeder Wortart
angehören, die in jeder Reihenfolge angeordnet und beliebig
verstümmelt werden konnten, um ein leicht aussprechbaren
neues Wort zu bilden. In dem Wort Undenke (Verstoß
gegen die Parteidisziplin) z.B. stand denken an zweiter
Stelle, während es in Denkpoli (Gedankenpolizei)
auf die erste Stelle kam, wobei das Wort Polizei seine dritte
Silbe einbüßte.
Manche B-Wörter hatten eine höchst differenzierte Bedeutung,
die jemandem, der nicht mit der Sprache im ganzen vertraut war,
kaum verständlich wurde. Als Beispiel diene ein typischer
Satz aus dem Times-Leitartikel: Altdenker unintusfühl
Engsoz. Die kürzeste Wiedergabe, die davon in der Altsprache
möglich gewesen wäre, hätte lauten müssen:
"Diejenigen, deren Weltanschauung sich vor der Revolution
geformt hat, können die Prinzipien des neuen englischen
Sozialismus nicht wirklich von innen heraus verstehen."
Aber das ist keine ausreichende Übersetzung. Man müßte
eigentlich, um die volle Bedeutung des oben angeführten
Neusprachsatzes zu verstehen, erst eine genaue Vorstellung von
dem haben, was mit Engsoz gemeint war. Dazu kommt, daß
nur ein völlig im Engsoz aufgegangener Mensch die
ganze Kraft des Wortes intusgefühl nachzuempfinden
vermag, das eine blinde, begeisterte Hingabe bezeichnete, die
man sich nur schwer vorstellen kann, desgleichen das Wort Altdenk,
das untrennbar mit der Vorstellung von Schlechtigkeit und Entartung
verknüpft war.
Wie wir bereits bei dem Wort frei gesehen haben, wurden
Wörter, die früher einen ketzerischen Sinn hatten,
manchmal aus Bequemlichkeitsgründen beibehalten - aber nur,
nachdem man sie von ihren unerwünschten Bedeutungen gereinigt
hatte. Zahlreiche Wörter wie Ehre, Gerechtigkeit,
Moral, Internationalismus, Demokratie, Wissenschaft
und Religion gab es ganz einfach nicht mehr. Sie waren
durch ein paar Überbegriffe ersetzt und damit hinfällig
geworden. Alle mit den Begriffen der Freiheit und Gleichheit
zusammenhängenden Wörter z.B. waren in dem einzigen
Wort Undenk enthalten, während alle um die Begriffe
Objektivität und Rationalismus kreisenden Wörter sämtlich
in dem Wort Altdenk inbegriffen waren. Eine größere
Genauigkeit wäre gefährlich gewesen.
Kein Wort des Wortschatzes B war ideologisch neutral. Eine ganze
Anzahl hatte den Charakter reiner sprachlicher Tarnung und waren
einfach Euphemismen. So bedeuteten z.B. Wörter wie Lustlager
(= Zwangsarbeitslager) oder Minipax (= Friedensministerium
= Kriegsministerium) fast das genaue Gegenteil von dem, was sie
zu besagen scheinen. Andererseits zeigen einige Wörter ganz
offen eine verächtliche Kenntnis der wahren Natur der ozeanischen
Verhältnisse. Ein Beispiel dafür war Prolefutter,
womit man die armseligen Lustbarkeiten und die verlogenen Nachrichten
meinte, mit denen die Massen von der Partei abgespeist wurden.
Anderer Wörter wiederum hatten eine Doppelbedeutung; sie
bedeuteten etwas Gutes,wenn sie auf die Partei, und etwas Schlechtes,
wenn sie auf deren Feinde angewandt wurden. Aber außerdem
gab es noch eine große Anzahl von Wörtern, die auf
den ersten Blick wie einfache Abkürzungen aussahen und ihre
ideologische Färbung nicht von ihrer Bedeutung, sondern
von ihrer Zusammensetzung bekamen.
Soweit wie möglich wurde alles, was irgendwie politische
Bedeutung hatte oder haben konnte, dem Wortschatz B angepaßt.
Der Name jeder Organisation oder Gemeinschaft, jedes Dogmas,
jedes Landes, jeder Verordnung, jedes öffentlichen Gebäudes
wurde unabänderlich auf den gewohnten Nenner gebracht: in
der Form eines einzigen, leicht aussprechbaren Wortes mit möglichst
geringer Silbenzahl, von dem man die ursprüngliche Ableitung
noch ablesen konnte. Im Wahrheitsministerium z.B. wurde die Registrierabteilung,
in der Winston Smith beschäftigt war, Regab genannt,
die Literaturabteilung Litab, die Televisor-Programm-Abteilung
Telab usw. Das geschah nicht nur aus Gründen der
Zeitersparnis. Schon in den ersten Jahrzehnten des zwanzigsten
Jahrhunderts waren solche zusammengezogenen Wörter charakteristisches
Merkmal der politischen Sache gewesen; wobei es sich gezeigt
hatte, daß die Tendenz, solche Abkürzungen zu benutzen,
in totalitären Ländern und bei totalitären Organisationen
am ausgeprägtesten war (Nazi, Gestapo, Komintern,
Agitprop). Zunächst war das Verfahren offenbar ganz
unbewußt und zufällig in Gebrauch gekommen, in der
Neusprache aber wurde es vorsätzlich angewandt. Man hatte
erkannt, daß durch solche Abkürzungen die Bedeutung
einer Bezeichnung eingeschränkt und unmerklich verändert
wurde, indem sie die meisten der ihr sonst anhaftenden Gedankenverbindungen
verlor. Die Wörter Kommunistische Internationale
z.B. erwecken das Bild einer weltumspannenden Menschheitsverbrüderung,
von roten Fahnen, Karl Marx und der Pariser Kommune. Das Wort
Komintern dagegen läßt lediglich an eine eng
zusammengeschlossene Organisation und eine deutlich umrissene
Gruppe von Anhängern einer politischen Doktrin denken; es
umreißt etwas, das fast so leicht zu erkennen und auf seinen
Zweck zu beschränken ist wie ein Stuhl oder ein Tisch. Komintern
ist ein Wort, das man fast gedankenlos gebrauchen kann, während
man über die Bezeichnung Kommunistische Internationale
schon einen Augenblick nachdenken muß. Ebenso sind die
Assoziationen, die durch ein Wort wie Miniwahr hervorgerufen
werden, geringer an Zahl und leichter kontrollierbar als bei
der Bezeichnung Wahrheitsministerium. Das erklärt
nicht nur die Gewohnheit, bei jeder nur möglichen Gelegenheit
Abkürzungen zu gebrauchen, sondern auch die fast übertriebene
Sorgfalt, die darauf verwendet wurde, für jedes dieser Wörter
eine bequem aussprechbare Form zu finden.
Es überwog in der Neusprache deshalb die Rücksicht
auf leicht eingehenden Wohlklang jede andere Erwägung, außer
der Genauigkeit der Bedeutung; grammatikalische Regeln mußten
immer zurücktreten, wenn es erforderlich schien. Und das
mit Recht, denn man benötigte - vor allem für politische
Zwecke - unmißverständliche Kurzwörter, die leicht
ausgesprochen werden konnten und im Denken des Sprechers ein
Minimum an ideenverwandten Erinnerungen wachriefen. Die einzelnen
Wörter des Wortschatzes B gewannen noch an Ausdruckskraft
dadurch, daß sie einander fast alle sehr ähnlich waren.
Sie waren fast immer zwei-, höchstens dreisilbig (Gutdenk,
Minipax, Lustlager, Engsoz, Intusgefühl,
Denkpoli), wobei die Betonung enbenso häufig auf
der ersten wie auf der letzten Silbe lag. Durch ihre Verwendung
entwickelte sich ein bestimmter rednerischer Stil, der zugleich
zackig, hohltönend und monoton war.
Der Wortschatz C bildete eine Ergänzung der beiden
vorhergehenden und bestand lediglich aus wissenschaftlichen und
technischen Fachausdrücken. Diese ähnelten den früher
gebräuchlichen und leiteten sich aus den gleichen Wurzeln
ab, doch ließ man die übliche Sorgfalt walten, sie
streng zu umreißen und von unerwünschten Nebenbedeutungen
zu säubern. Sie folgten den gleichen grammatikalischen Regeln
wie die Wörter in den beiden anderen Wortschätzen.
Sehr wenig C-Wörter tauchen in der politischen Sprache oder
der Umgangssprache auf. Jeder wissenschaftliche Arbeiter oder
Techniker konnte alle von ihm benötigten Wörter in
einer für sein Fach aufgestellten Liste finden, während
er selten über eine mehr als oberflächliche Kenntnis
der in den anderen Listen verzeichneten Wörter verfügte.
Nur einige wenige Wörter standen auf allen Listen, doch
es gab kein Vokabular, das die Funktion der Wissenschaft unabhängig
von ihren jeweiligen Zweigen als eine geistige Einstellung oder
Denkungsart ausgedrückt hätte, ja es gab nicht einmal
ein Wort für "Wissenschaft", da jeder Sinn, den
es hätte geben können, bereits hinreichend durch das
Wort Engsoz umschrieben war.
Es war also in der Neusprache so gut wie unmöglich, verbotenen
Ansichten, über ein sehr niedriges Niveau hinaus, Ausdruck
zu verleihen. Man konnte natürlich ganz grobe Ketzereien
wie einen Fluch aussprechen. Man hätte z.B. sagen können:
Der Große Bruder ist ungut. Aber diese Feststellung,
die für ein orthodoxes Ohr lediglich wie ein handgreiflicher
Unsinn geklungen hätte, durch Vernunftargumente zu stützen,
wäre ganz unmöglich gewesen, da die nötigen Wörter
dafür fehlten. Im Jahre 1984, zu einer Zeit also, da die
Altsprache noch das normale Verständigungsmittel war, bestand
theoretisch noch immer die Gefahr, daß man sich bei der
Benutzung von Neusprachwörtern an ihren urspünglichen
Sinn erinnern konnte. In der Praxis war es für jeden im
Zwiedenken geschulten Menschen natürlich nicht schwer,
das zu vermeiden, aber schon nach zwei weiteren Generationen
würde auch die bloße Möglichkeit einer solchen
Entgleisung verschwunden sein. Ein mit der Neusprache als einzigem
Verständigungsmittel aufwachsender Mensch würde nicht
mehr wissen, daß gleich einmal die Nebenbedeutung
von "politisch gleichberechtigt" gehabt oder daß
frei einmal "geistig frei" bedeutet hatte, genausowenig
wie ein Mensch, der noch nie etwas vonm Schachspiel gehört
hat, die darauf bezüglichen Nebenbedeutungen von Königin
und Turm kennen kann. Viele Verbrechen und Vergehen würde
dieser Mensch nicht mehr begehen können, weil er keinen
Namen mehr dafür hatte und sie sich deshalb gar nicht mehr
vorstellen konnte.
Es war vorauszusehen, daß im Laufe der Zeit die Besonderheiten
der Neusprache immer mehr hervortreten würden - es würde
immer weniger Wörter geben und deren Bedeutung immer starrer
werden. Auch würde die Möglichkeit, sie zu unlauteren
Zwecken zu gebrauchen, ständig geringer werden.
Sobald die Altsprache ein für allemal verdrängt war,
war auch das letzte Bindeglied mit der Vergangenheit dahin. Die
Geschichte war bereits umgeschrieben worden, doch gab es da und
dort unzureichend zensierte Bruchstücke aus der Literatur
der Vergangenheit, und solange jemand die Altsprache verstand,
war es möglich, sie zu lesen. In der Zukünft würden
solche Fragmente, auch wenn sie zufälligerweise erhalten
blieben, unverständlich und unübersetzbar sein. Es
war unmöglich, irgend etwas aus der Alt- in die Neusprache
zu übertragen, es sei denn, es handelte sich um ein technisches
Verfahren oder um einen einfachen alltäglichen Vorgang,
oder es war bereits linientreu (gutdenkvoll würde
der Neusprachausdruck lauten) in seiner Tendenz. Praktisch bedeutete
dies, daß kein vor 1960 geschriebenes Buch, so wie es war,
übersetzt werden konnte. Vorrevolutionäre Literatur
konnte nur einer ideologischen Übertragung unterzogen werden,
daß heißt einer Veränderung sowohl dem Sinne
als der Sprache nach. Man nehme z.B. die wohlbekannte Stelle
aus der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung:
Wir erachten diese Wahrheiten als selbstverständlich,
daß alle Menschen gleich geschaffen worden sind, daß
der Schöpfer ihnen gewisse unabänderliche Rechte verliehen
hat, als solche sind: Leben, Freiheit und das Streben nach Glück.
Daß, um diese Rechte ihnen zu sichern, Regierungen unter
den Menschen eingesetzt worden sind, deren gerechte Gewalt sich
von der Zustimmung der Regierten herleitet. Daß, wenn immer
eine Form der Regierung zerstörend in diese Endzwecke eingreift,
das Volk das Recht besitzt, diese zu ändern oder abzuschaffen
und eine neue Regierung einzusetzen ...
Es wäre ganz unmöglich gewesen, dies in die Neusprache
zu übertragen und dabei den Sinn des Originals zu erhalten.
Als nächsten etwa käme diesem Vorgang das Aufgehen
dieses ganzes Abschnittes in dem einen Wort: Verbrechdenk.
Eine vollständige Übersetzung hätte nur eine logische
sein können, wobei Jeffersons Worte in eine Lobeshymne auf
die absolutistische Regierungsform umgewandelt worden wären.
Ein großer Teil der Literatur der Vergangenheit war tatsächlich
schon in dieser Weise verändert worden. Prestigerücksichten
ließen es wünschbar erscheinen, das Andenken an bestimmte
historische Figuren beizubehalten, doch so, daß man deren
Errungenschaften mit der Linie des Engsoz in Einklang
brachte. Verschiedene Schriftsteller, wie Shakespiere, Milton,
Swift, Byron, Dickens und andere, wurden deshalb einer Übertragung
unterzogen. Sobald dies vollbracht worden war, wurden sowohl
die Originalwerke wie auch alles andere, das aus der Literatur
übriggeblieben war, vernichtet. Diese Art von Übertragungen
waren eine langwierige und mühsame Angelegenheit, und deren
Beendigung konnte nicht vor dem ersten oder zweiten Jahrzehnt
des einundzwanzigsten Jahrhunderts erwartet werden. Es gab noch
eine große Menge reiner Fachliteratur - unentbehrliche
technische Handbücher und dergleichen, die in der gleichen
Weise bearbeitet werden mußten. Hauptsächliuch um
Zeit zu den vorbereitenden Übersetzungsarbeiten zu gewinnen,
wurde die endgültige Einführung der Neusprache auf
einen so späten Zeitpunkt wie 2050 festgesetzt."
Vergleichen Sie "1984" mit der heutigen Wirklichkeit
der Zertrümmerung der Deutschen Sprache! Glauben Sie etwa
immer noch, "1984" wäre ein Zukunftstroman? Tatsächlich
ist "1984" nichts anderes als ein in Romanform gekleidetes
politisches Programm zur Sicherstellung und Erweiterung der britisch-imperialistischen
Machtgelüste, auch Geopolitik genannt, wobei die "christlichen"
Briten ungeniert im Blut von hunderten Millionen Ermordeter waten.
Fragen Sie sich, wie die Miniaturinsel England die Hälfte
der Welt unterwerfen und unterjochen konnte. Mit militärischen
Mitteln wohl kaum, sie waren nur das letzte Mittel zum Zweck.
Textbeginn
Achtung, Sprachpolizei!
Wie das Deutsche zensiert werden soll: mit Verboten und Selbstgerechtigkeit
Von Thomas Paulwitz
"Neusprech sollte nicht nur ein Ausdrucksmittel für
die ... gemäße Weltanschauung und Geisteshaltung bereitstellen,
sondern auch alle anderen Dernkweisen unmöglich machen ...
Dies erreichte man zum Teil durch die Erfindung neuer, hauptsächlich
aber durch die Eliminierung unerwünschter Wörter ...
Wenn Altsprech ein für allemal verdrängt worden war,
würde das letzte Bindeglied zur Vergangenheit durchtrennt
sein. Die Geschichte war bereits umgeschrieben worden."
So steht es in den "Grundlagen des Neusprech", die
George Orwell in seinem Buch "1984" niedergeschrieben
hat. Der "Münchner Merkur" meinte vor einigen
Jahren, "Orwell hätte sein berühmtes Buch auch
'2000' nennen können". Denn die Anhänger eines
Neusprech treiben auch heute noch ihr Unwesen, beispielsweise
in Dudens "Deutschem Universalwörterbuch" (DUW).
In der neuesten Auflage (2006) geben die Herausgeber Anweisungen,
welche Wörter nicht gebraucht werden sollten.
So ist das "Unkraut" vernichtet worden. Das Wörterbuch
rät, "auf die Bezeichnungen 'Wildkräuter' oder
'wild wachsende Pflanzen' auszuweichen. Es geht weiter: "Wegen
der Anlehnung an die diskriminierende Bezeichnung 'Neger' sollte
das Wort 'Negerkuß' ebenfalls vermieden und durch 'Schokokuß'
ersetzte werden."
Und: Das Wort "türken" sollte, obwohl die Wortgeschichte
unklar ist, im "öffentlichen Sprachgebrauch unbedingt
vermieden werden", da es "von türkischstämmigen
Mitbürger(innen)n als diskriminierend empfunden werde. So
solle man auch nicht mehr "Mohammedaner" sagen, sondern
"Moslem" oder "Muslim". Das Wort "Rasse"
möge durch "Menschen anderer Hautfarbe", "Ausländer"
durch "ausländische Mitbürger" ersetzt werden,
so der Wille der selbsternannten Sprachpolizisten.
Die vermeintlichen Frauenrechtler in der DUW-Wörterbuchredaktion
haben außerdem bereits in der Auflage des Jahres 2003 mehr
als 5.000 weibliche Formen wie "Bausparerin" und "Vizeadmiralin"
aufgenommen. Da der Umfang insgesamt nicht zunehmen sollte, mußten
im Gegenzug Tausende scheinbar unwichtiger Wörter gestrichen
werden. Wie nicht anders zu erwarten, verzeichnet das DUW nur
noch den Neuschrieb, obwohl die bewährte Rechtschreibung
noch in zahlreichen Büchern und Veröffentlichungen
anzutreffen ist. "Universal" ist das Universalwörterbuch
damit jedenfalls nicht.
Das Wörterbuch ist kein Einzelfall für Sprachverbote.
Unter der Aufsicht des linksextremen Duisburger Instituts für
Sprach- und Sozialforschung (DISS) will der Deutsche Journalisten-Verband
(DJV), Interessenverband und Gewerkschaft der Journalisten, eine
"Sprachfibel" herausgeben, als "unverzichtbares
Werkzeug für den journalistischen Alltag" und "um
die Sprache zu reinigen". In der Fibel werden Wörter
aufgezählt, die verboten sein sollen, weil sie angeblich
den "Rassismus" begünstigen. So will das DISS
den Begriff der Rasse "dekonstruieren", um mit dem
Verbot des Wortes "Rasse" "die Deutung eines gesellschaftlichen
Sachverhaltes grundsätzlich zu verändern". Auch
das Wort "Gutmensch" wollen die Gutmenschen tilgen.
Gleichzeitig geben sie Meldebögen zur Denunziation aus.
So können wachsame Mitbürger dem DJV die Verwendung
verbotener Wörter anzeigen. Die Sprachpolizisten wollen
also ein Bevormundungs- und Bespitzelungssystem errichten. Wir
sollen aus Angst den Mund halten. Journalisten sollen die Schere
schon im eigenen Kopf zuschnappen lassen.
Die "Bibel in gerechter Sprache", die am diesjährigen
Reformationstag veröffentlicht wurde, ist ein weiterer Anschlag
der Sprachpolizei auf die Deutsche Sprache. 400.000 EURO hat
es gekostet, daß mehr als 50 Verfasser über fünf
Jahre lang die Bibel umgeschrieben haben. Aus "Vater unser"
werden "Vater und Mutter unser". Jesus hat nun - historisch
falsch - nicht nur Jünger, sondern auch Jüngerinnen.
Er verkündet in der Bergpredigt nicht mehr "Ich aber
sage euch", sondern ganz bescheiden und unverbindlich "Ich
lege euch das heute so aus". Die Propheten dürfen,
aus Rücksicht auf die Gefühle der heutigen Juden, Israel
nicht mehr ein Strafgericht Gottes androhen: Statt "reif
zum Ende" ist das Volk Israel nur noch "reif".
Aus Gott, dem Herrn, wird "die Heilige" und die "Ewige",
aus dem Heilgen Geist die "Heilige Geistkraft". Das
"Forum Lebendige Kirche" bezeichnet diese Entstellung
des Gotteswortes denn auch als "Bibel in selbstgerechter
Sache".
Die sogenannte "Political Correctness" will Probleme
lösen, indem sie Bezeichnungen aus dem Verkehr zu ziehen
oder zu verändern versucht. Diese Wortverleugnung erschwert
aber das Denken und Sprechen über diese Probleme, so daß
sie nicht gelöst, sondern verdrängt werden, bis schließlich
das böse Erwachen kommt. Die "Bibel in gerechter Sprache"
mag lächerlich wirken: die Idee jedoch, die dahintersteckt,
darf man nicht unterschätzen. Letztlich handelt es sich
um den Versuch einer Minderheit, die Mehrheit umzuerziehen.
Was tun? Es ist wichtig, Bestrebungen, unsere Sprache zu manipulieren,
sofort im Keim zu ersticken. Das geht nur durch tätigen
Widerstand. Die Vernichtung Tausender Deutscher Wörter durch
die zahllosen Getrenntschreibungen der Rechtschreibreform konnten
die Befürworter der traditionellen Rechtschreibung gerade
noch abwehren. Sollten Sprachpolizisten versuchen, ein Wort durch
Stigmatisierung zu verbieten, sollten wir es erst recht verwenden;
nicht nur, um das Wort zu retten, sondern auch, um das Denken
über schwierige Sachverhalte weiterhin zu ermöglichen.
Das ist gut für Neger, Zigeuner, Ausländer und Gott
den Herrn."
Übernommen aus: "Deutsche Sprachwelt". Mehr zum
Thema unter: www.deutsche-sprachwelt.de.
Textbeginn
Fünf Schritte
zur erfolgreichen Abschaffung der Rechtschreibung
Erster Schritt: Wegfall der Großschreibung. einer
sofortigen einführung steht nichts im weg, zumal schon viele
grafiker und werbeleute zur kleinschreibung übergegangen
sind.
zweiter schritt: wegfall der dehnungen und schärfungen.
dise masname eliminirt schon di gröste felerursache in der
grundschule, den sin oder unsin unserer konsonantenverdoplung
hat onehin nimand kapirt.
driter schrit: v und pn ersetzt durch f, z ersezt durch
s. das alfabet wird um swei buchstaben redusirt, schreibmaschinen
und sesmaschinen fereinfachen sich, wertfole arbeitskräfte
könen der wirtsaft sugeführt werden.
firter schrit: q, c und ch ersest durch k, j und y ersest
durch i, pf ersest durch f. iest sind son seks bukstaben ausgesaltet,
di sulseit kan sofort fon neun auf swei iare ferkürst werden,
anstat aksig prosent rektsreibunterikt könen musike fäker
wi fisik, kemi und reknen mer geflekt werden.
fünfter skrit: wegfal von ä, ö und üseiken.
ales uberflusige ist iest ausgemerst, di ortografi wird slikt
und einfak, naturlik benotikt es einige seit, bis dise fereinfakung
uberal riktik ferdaut ist, fileikt sasungsweise ein bis swei
iare. anslisend durfte als nakstes sil di fereinfakung der nok
swirigeren gramatik anfisirt werden.
... und und und ... bis zur erfolgreichen Abschaffung der Deutschen
Sprache!
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